Konzeptionelle Anwendungen der Regeneration untermauern nicht nur neue Ansätze zur biomedizinischen Wiederherstellung der menschlichen Funktion, sondern liefern auch einige der wirksamsten Vehikel für die Konstruktion imaginärer Zukünfte. Anhand von drei Beispielen aus der Populärkultur, die auf der Möglichkeit der neuronalen Regeneration beruhen, deckt Lucy Burke einige der grundlegenden Instabilitäten auf, die mit unserer Wahrnehmung von Demenz — und dem Altern im weiteren Sinne — als ein Problem verbunden sind, das auf der Ebene des Individuums marktwirtschaftlich konzipiert ist (Burke, 2017). Burkes Verwendung von Wissenschaft und spekulativer Fiktion zeigt nicht nur, wie die Betrachtung imaginierter Formen der Regeneration die Unzulänglichkeit unserer gegenwärtigen Einstellungen gegenüber alternden Zuständen aufzeigen kann, sondern auch die Bedeutung dieser kulturellen Materialien für die Infragestellung dominanter Ansichten des heteronormativen Körpers. In der Tat ist es eine Schlüsselannahme regenerativer Erzählungen, dass es einen Zustand gibt — typisch für ‚volle Funktionalität‘ —, zu dem man regeneriert wird. Solche Darstellungen dienen dazu, Normen auf eine Weise zu stärken, die sich mit Trends in der Behindertenforschung überschneidet, die auf die grundlegende Arbeit von Lennard J. Davis und anderen zur Normalität zurückzuführen sind (Davis, 2014; Davis, 1995). Letztendlich, so Burke, ermöglichen uns vollständig realisierte regenerative Ergebnisse in der Fiktion, besser zu sehen, wie wir in der Realität mit den notwendigerweise unvollständigen Konsequenzen regenerativer Therapien für Zustände, die selbst progressiv degenerativer Natur sind, fertig werden können.

Presents and futures of ‚medical‘ regeneration

Das Feld der regenerativen Medizin in der heutigen Welt mag heterogen sein, was bio-klinische Disziplinen betrifft, aber unsere Wertschätzung ihrer vielfältigen Wurzeln bleibt weitgehend unvollständig. Das Wesen der regenerativen Medizin liegt im Ersatz defekter Teile des menschlichen Körpers durch Analoga, die aus in vitro gezüchteten Geweben, Gerüsten und mechanischen Systemen bestehen können. Unabhängig von der Art der Intervention ist klar, dass der regenerative Aspekt der regenerativen Medizin eher für den Organismus als Ganzes gilt als für ein bestimmtes System, Organ oder Gewebe, das tatsächlich ersetzt oder signifikant verändert wird. In der Tat würde ich argumentieren, dass die tatsächliche ‚Regeneration‘, die stattfindet, eine der Funktionen ist, nicht die Struktur. In diesem Sinne geht es bei der regenerativen Medizin ebenso um Wiederherstellung und Reparatur wie um tatsächliche Regeneration, ein Begriff, der wohl vielversprechender ist. Wie in einem wichtigen Bericht des britischen Government Select Committee on Science Technology über regenerative Medizin festgestellt, bietet die egenerative Medizin einen einzigartigen Ansatz zur Behandlung von Krankheiten und Störungen, indem sie dem Körper selbst die Mittel zur Reparatur, zum Ersatz, zur Wiederherstellung und zur Regeneration beschädigter oder kranker Zellen, Gewebe und Organe zur Verfügung stellt (Science and Technology Committee, 2017).

Goethes Vision der Regeneration, artikuliert im späten achtzehnten Jahrhundert, stützte sich auf alte biologische Auffassungen von Erneuerung und wurden durch zeitgenössische Praktiken der Naturphilosophie gebrochen. Die dabei aufgeworfenen Fragen werden von der modernen Biomedizin noch immer fortwährend umgestaltet, bleiben aber im Kern grundsätzlich unverändert und ebenso bedeutsam. Mehr über die Verwendung regenerativer Ideen in Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur zu wissen, bietet die Möglichkeit, den menschlichen Wunsch nach Wiederherstellung tiefer zu hinterfragen. Die hier vorgestellten Arbeiten beleuchten ausgewählte Beispiele regenerativen Denkens und konzentrieren sich auf die Transformationsperiode um 1900, aber es bleibt noch viel mehr zu tun. Wie wurden zum Beispiel Ideen und Narrative der Regeneration über den biologischen Bereich hinaus angewendet? Auf welche Weise hat sich der Widerstand gegen die Regeneration manifestiert? Inwieweit verändert der Begriff regenerativ die Erwartungen der Patienten und der Öffentlichkeit an die medizinische Wissenschaft und klinische Praxis? Welche Aspekte der ‚harten‘ und ‚weichen‘ Regeneration sind in den verschiedenen Praxen, vom Labor über die Klinik bis hin zum Haushalt, erkennbar?

Diese und andere Fragen sind Motivation für diese Arbeiten und für die weitere Untersuchung der Natur regenerativer Prozesse und ihrer Beziehung zum Menschen. In der Tat, da wir von positiven Erzählungen über den Nutzen und die Erwünschtheit der Regeneration — unseres Körpers, unseres Lebens und unserer städtischen und sozialen Räume — umgeben sind, könnte dies ein günstiger Moment sein, um genau darüber nachzudenken, warum es so ist, dass ‚Regeneration‘ in solchen Begriffen gehalten wird. Ein interdisziplinärer Ansatz zu diesem Thema – der die große Zahl der vorhandenen Degenerationswissenschaft widerspiegelt – könnte uns helfen, seine Attraktionen, Probleme und Kontroversen besser zu verstehen.

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